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Montag, 28. Januar 2013

[Offtopic] Abenteuer Sächsische Zeitung - Wie ich versuchte meine Tageszeitung online zu lesen - von e-papern, Abos und Passwortfeldern


Update: Die SZ hat sich via Twitter bei mir gemeldet und gelobt Besserung:


Für meine Mutter habe ich eine Tageszeitung abonniert. Die Sächsische Zeitung landet Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr verlässlich in ihrem Briefkasten in einem der letzten Winkel Sachsens - soweit so gut. Mit Offline-Usability scheint man sich auszukennen bei der SZ.

Lokale Nachrichten interessieren mich zwar, aber ich könnte mir nur zu gut vorstellen, was passieren würde, wenn eine Zeitung jeden Tag in meinem Briefkasten landen würde - bis auf Papierberge, die sich in der Wohnung bis unter die Decke türmen, hätte ich nicht viel zu gewinnen. Mein Küchentisch ist einfach zu klein für eine Tageszeitung und ich möchte garnicht daran denken, wie ich wild blätternd und knisternd beim frühstücken sitze und meine Freundin auf der anderen Seite des Tisches hinter einer Papierwand verschwindet - keine zwei Wochen würde ich die Papierausgaben lesen.

Aber: Ich arbeite am Computer und bin einigermaßen technikaffin. Also könnte man doch mal versuchen, die SZ online zu lesen.
Also sz-online.de angesteuert und anstelle einer Papierwand erwartet mich die digitale Paywall. Bei einer Tageszeitung mit Redakteuren, Recherche und dem ganzen Kram kann ich natürlich nachvollziehen, dass versucht wird, online die eigenen Inhalte zu monetarisieren. Also begebe ich mich auf die Suche.

Aufgabe 1: Kosten und Angebote für Abonnenten

Zuerst möchte ich natürlich herausfinden, was ich als Abonnent gratis bekomme. Gleich am Ende des ersten Artikels auf der Startseite erwartet mich ein kleiner fett gedruckter - da muss ich wohl draufklicken - führ mich zum Schotter!

Aha, ich benötige den Premiumdienst sz-exklusiv und um den aufzurufen, muss ich H I E R klicken - OK! Auf der nächsten Seite finde ich Bedingungen und Preise: 7,50 monatlich und für Abonnenten kostenlos - hört sich gut an und “24 Stunden am Tag, brandaktuell und weltweit nutzbar” noch besser.
Ich möchte es jetzt aber genauer wissen und schaue nach, was ein normales Abo im Vergleich dazu kostet. Also wechsele ich zu abo-sz.de. Mannigfaltige Abos werden angeboten: Vollabos, Studentenabos, Verschenkabos. Schön, aber wo steht, was es kostet? Erstmal nirgends. Also beginne ich mit dem Anmeldeprozess für ein Vollabo. Irgendwo wird ja wohl vermerkt sein, wie viel ich nun bezahlen muss.

Anmeldung Seite 1: Ich gebe meine persönlichen Daten und Bankverbindung ein, aber ein konkreter Preis steht nirgends, nur der Betrag, den ich spare, wenn ich jährlich, halbjährlich oder vierteljährlich zahle. Wenn ich wüsste, wie viel denn so ein Abo kostet, könnte ich mich an dieser Stelle vielleicht besser entscheiden. Zum Glück akzeptiert das Formular auch Quatscheingaben. Weiter. 24,70 € kostet das Abo also monatlich. Wo ist eigentlich die Wiederrufsbelehrung? Gibt es nicht, na gut, ist für mich jetzt gerade nicht relevant. Und was steht dort unten:

Abo Sächsische Zeitung
Die SZ verrät, was ein Abo kostet und bietet leider keine direkte Möglichkeit der Datenweitergabe zu widersprechen.


Ok. Schade, dass man nicht mit einer Checkbox wiedersprechen kann und man an dieser Stelle keine Wahl hat.

Aufgabe 2: Den kostenlosen Service sz exklusiv nutzen

umfangreiches Formular zur Registrierung
Gut, ich muss mich anmelden, damit hatte ich gerechnet. Ein wunderschönes Registrierungsformular erwartet mich, dass nach so tollen Dingen wie meiner “Homepage” und sämtlichen Telefonnummern fragt. Die Angabe einer Adresse ist zur Nutzung des Onlinedienstes zwingend notwendig. Hm.

seltsames Passwortfeld
Das Passwortfeld macht mir einige Probleme:
Es muss mindestens 8 Zeichen haben, Zahlen, Groß- und Kleinbuchstaben enthalten - gut, dass man bei der SZ Wert auf sichere Passwörter legt. Aber leider darf dass Passwort keine Sonderzeichen enthalten - naja, das ist schnell geändert, denn das Passwortfeld ist ein normales Textfeld und eine Bestätigung ist auch nicht notwendig. Irgendwie ungewöhnlich.

Fertig, alles ausgefüllt. Was mich wundert: wie bekommt die SZ heraus, dass ich bereits Abonnent bin? Über das Adressfeld? Muss dort die Adresse meiner Mutter eingetragen werden (an die die Zeitung geliefert wird)? Fragen über Fragen, aber leider keine Antworten. Also klicke ich “Speichern”. Ich soll meine Bankverbindung angeben. Jetzt werde ich stutzig. Wieso braucht die SZ meine Bankverbindung? Ich bin doch Abonnent. “Was schief gehen kann, wird auch schief gehen”, denke ich mir. Also beschließe ich, die Anmeldung abzubrechen. Auch wenn es nur um 7,50 € geht - man muss ja kein Geld zum Fenster rauswerfen. 

Bei einer späteren Registrierung stelle ich fest, dass bereits ein Account erzeugt wurde, ohne, dass ich darüber auf der Seite oder per Mail informiert wurde. Ich nutze die "Passwort vergessen"-Funktion, weil ich das Passwort eines Accounts vergessen habe und erhalte eine E-Mail zum Zurücksetzen meines Passworts - darin je ein Link für meine inzwischen 2 Accounts.

Passwort vergessen
Ich klicke. Ein Fenster öffnet sich, dass mir sagt, ich soll die E-Mail lesen. Ich lese nochmal die E-Mail, in der steht neben lustigen Hinweisen zu sicheren Passwörtern, dass ich auf den Link klicken soll. Ich klicke. Ich drehe mich im Kreis.

Wenige Minuten später erhalte ich mein temporäres Passwort - ich fange an zu begreifen. Das temporäre Passwort funktioniert nicht, wie oft ich wohl mein Passwort zurückgesetzt habe, weil ich die Botschaften auf dem Bildschirm falsch gedeutet habe. Ich warte auf weitere E-Mails. Vorfreude.

Ich kann mich anmelden - in beiden Accounts - mein temporäres Passwort muss ich zum Glück nicht ändern. Und meine versehentlich erstellten Accounts brauche ich auch nicht zu löschen - dafür gibt es keine Funktion. Seis drum, ich kann mich anmelden und muss nun wieder auf den kleinen klicken, noch ein Klick und ich soll meine Abonummer eingeben.

Eine mit H I E R verlinkte Seite soll Aufschluss darüber geben, wie ich denn nun meine Abonummer herausfinde - leider öffnet sich das Javadings im Chrome (Popupblocker?) nicht. Ich probiere es mit meiner Kundenummer - es klappt - ich klicke auf "Abo abschließen". Neues Fenster, die SZ hat ihren Abonnenten erkannt - ich darf ein kostenloses Abo abschließen - Erfolg! Ich bin SZ exklusiv Abonnent! Ich navigiere zur Startseite und darf nach einem Klick auf den lesen.

Aufgabe 3: Das e-paper

Ich habe noch nicht genug und möchte nun mehr über das e-paper herausfinden. Ich benötige unbedingt eine E-Mail-Adresse, hm. Hier sind die Preise nicht super übersichtlich, aber erkennbar - 2,50 € für Abonnenten, Studentenpreis, Normalpreis, Einzelpreis, Rabatte.

Die Ausgaben können ab 4 Uhr morgens als PDF oder ZIP heruntergeladen werden. Ein automatisierter Download ist leider nicht möglich. Ich überlege kurz, ob ich mir den Wecker stelle. Alles nicht wirklich praktisch.

Leider gibt es auch kein Ansichtsexemplar des e-papers, ein Probeabo ist wieder mit einer umfangreichen Anmeldung verbunden und so entscheide ich mich, dass e-paper links liegen zu lassen.


Aufgabe 4: Auf dem neuesten Stand bleiben - lassen sich die Meldungen via RSS in meinen Feedreader speisen?

sz-online am 6. Dezember 2012 - noch mit RSS,
der aber nicht funktioniert (Screenshot http://web.archive.org)
Es gibt zum Zeitpunkt meines Besuches einen RSS-Button, der aber leider nicht funktioniert. Also meine Frage an den SZ-Online-Support: Warum funktionieren die Feeds nicht? Wie können sie abgerufen werden? Leider keine Antwort und auch eine Suche auf der Website oder generell Google wussten keinen Rat. Also leider keine Möglichkeit, die Inhalte mit RSS abzurufen. Inzwischen wurde der RSS-Button entfernt. Auch eine Möglichkeit.

Wenn man genau darüber nachdenkt, ist es schon komisch: Die SZ schafft es, wie eingangs beschrieben, täglich die Zeitung bei Wind und Wetter verlässlich zuzustellen. Aber die Inhalte der Zeitung online einigermaßen bequem abzurufen, ist nicht möglich. Man kommt sich in etwa so vor, als müsste man mit seinem eigenen Papier täglich zur Druckerei  marschieren, um sich dort seine Zeitung drucken zu lassen. Umständlich!

Na gut, RSS-Feeds, eine Nerd-Technik, die kaum einer kennt und kaum einer nutzt. Aber eine App, eine Browsererweiterung oder was auch immer, um die Inhalte online abzurufen, wäre schön. Der typische SZ-online-Nutzer öffnet also täglich seinen Browser. Zuvor hat er sich einen kleinen Notizzettel zurechtlegt, auf den er die Internetadresse geschrieben hat. Diese wird nun sorgfältig vom Nutzer abgetippt – und schwups – nach kurzer Wartezeit öffnet sich die SZ-Online-Wunderwelt. Mit viel Bedacht meldet sich der Nutzer an und sucht nun das Ressort seiner Wahl heraus oder navigiert zum e-paper. Nur noch ein Klick trennt den Webcrack von seinem e-paper oder der Nachricht seiner Wahl – nur noch schnell auf den klicken. Die SZ versucht mit allen Mitteln den Nutzer auf die eigenen Angebote festzunageln. Das entspricht leider so garnicht den Onlinegewohnheiten – vor allem nicht meinen.

Wieso baut die SZ so viele Fallen und Umständlichkeiten in ihre Onlineangebote ein, und macht es den Nutzern so schwer, die Artikel abzurufen? Und wieso ist es so kompliziert sich anzumelden, etwas zu bestellen oder eine Preisinfo zu bekommen? Aus meinen Schilderungen kann man natürlich entnehmen, dass ich auch etwas ungeduldig war und mindestens einmal „nicht sorgfältig genug gelesen“ habe. Man wird aber das Gefühl nicht los, dass die SZ einfach keine Ahnung - oder noch schlimmer – kein Interesse daran hat, dass Inhalte über das Internet abgerufen werden. Vielleicht ist die Nachfrage auch verschwindend gering (was mich bei diesen Barrieren nicht wundern würde)? Ein Henne-Ei-Problem und keine Strategie mit Zukunft.

Ich habe nun also meinen kostenlosen SZ-exklusiv-Account und könnte die Inhalte kostenlos online lesen (und mir Anzeigen anschauen und eventuell darauf klicken) – mache es aber nicht, weil es mir einfach zu kompliziert ist. Ich hätte vielleicht auch das e-paper ausprobiert und dafür gezahlt – wenn es bequem abzurufen wäre.

Ich hätte gern Lokalnachrichten und generell die SZ online gelesen, aber so nicht. Ich will mich an dieser Stelle auch nicht aufregen oder die SZ verteufeln. Ich finde es einfach nur schade, dass es so schwer ist, und hoffe, dass das nicht Methode hat. So wird das nichts mit der Monetarisierung.

Da andernorts die Frage aufkam:
Die Screenshots sind Mitte Dezember entstanden. Mit dem Relaunch der SZ-Seite Anfang Januar hat sich auf den Aboseiten der Sächsischen Zeitung nicht viel verändert - das habe ich vor dem Veröffentlichen des Beitrags nochmal überprüft. Eine Änderung gibt es beim neuen Layout - die nicht funktionierenden RSS-Links wurden entfernt.
Da die SZ Besserung versprochen hat, werde ich mir die Seiten in einiger Zeit nochmal anschauen.



Kommentare:

  1. Eine Frage: Das Abo Ihrer Mutter sollte doch eigentlich die Möglichkeit des Online-Zugriffs via Anmeldung mit Abo-Nummer beinhalten? Zumindest von der DNN kenne ich das als Papier-Abonnent so: Man bekommt das E-Paper quasi als Beigabe.

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    1. Vielen Dank für den Hinweis. Bei der SZ können Abonnenten das e-paper für 2,50 € monatlich bekommen, Normalpreis wären 17 €:
      http://www.sz-online.de/abo/epaper/

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    2. Das war mir nicht bekannt. Ohne dass es mir um die Differenz von 2,50 Euro gehen würde, muss ich aber sagen: Das Modell der LVZ/DNN ist besser. Man könnte auch zwei Arten des Print-Abos verkaufen: Eine wäre eben 2.50 Euro teurer. Aber in jedem Fall würde ich es doch für den Kunden so einfach wie möglich machen.

      Zu dem Abo-Formular: Wenn man mit einem JavaScript-Blocker unterwegs ist und Scripte von sz-abo.de nicht freigibt, bekommt man den Abo-Preis auch nicht angezeigt. Das ganze Formular müsste dringend überarbeitet werden.

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  2. Die Ausrede mit dem "Wir arbeiten daran" ist aber auch seit 5 Jahren schon Standardausrede ...

    Und die RSS_Feeds ebenso. Tauchen auf, sind weg. Ziehen um ohne Meldung. Etc. pp. 100 Euro für Neuleserwerbung gibt's gerne. Aber einen gehaltenen Leser kann man halt nicht messen ...

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  3. Was Du hier schilderst, ist symptomatisch für den Zustand der regionalen Tagespresse. Es wird der Tag kommen, an dem sich Print mangels Nutzer nicht mehr lohnt. Jetzt ist es Zeit, Online-Kompetenzen aufzubauen. Ich habe gleich zu diesem Artikel verlinkt.

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