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Freitag, 29. Januar 2016

Wen wundert der Doha-Deal?

Die Bayern haben einen Sponsorendeal mit dem Emirat Katar eingetütet, genauer gesagt mit dem Internationalen Flughafen Doha. Katar, da schrillen natürlich die Alarmglocken: Menschenrechte und so, dem Sklaventum nicht unähnliche Arbeitsbedingungen.

Christian Spiller fasst in seinem Kommentar treffend zusammen:

"Sportlich Weltklasse, moralisch Kreisklasse."

Über eine Formulierung in seinem Text bin ich aber gestolpert:

"Es verwundert, dass Bayern sich auf diesen Deal einlässt, Empörung darüber war absehbar."

Die Empörung war absehbar, klar. Aber das dieser Deal ernsthaft jemanden verwundert? Ich denke, das ist eine Frage der Perspektive. 

Karl-Heinz Rummenigge begrüßt die Partnerschaft:

"...ein weiterer Schritt in unserer Internationalisierungsstrategie"

Natürlich tut er das. Und beim Stichwort Internationalisierungsstrategie denkt man auch gleich an die FCB-Enthusiasten in aller Welt - sie werden wenig Probleme mit dem Sponsoring haben und vermutlich werden auch die meisten Bayern-Afficionados hierzulande das Sponsoring in wenigen Wochen vergessen haben.

Verprellt hat der Klub die kritischen Fans. Die, die hinterfragen und im FC Bayern mehr sehen, als ein Unterhaltungsensemble auf dem grünen Rasen. In dieser Filter Bubble ist das Sponsoring das Letzte. Ein weiterer Tiefschlag nachdem die Bayern zum wiederholten Mal ihr Trainingslager in Katar verbrachten.  

Mich verwundert der Entschluss des Vereins zum Sponsoring nicht. Denn welche Bedeutung haben diese kritischen Stimmen? Das Stadion? Bekommt man auch ohne die Zweifler voll. Das Medienecho? Konzentriert sich in ein paar Tagen wieder auf das Sportliche.

Sollte der FC Bayern dennoch auf die Millionen aus dem Emirat verzichten, nur wegen ein paar kritischer Stimmen?

Alle anderen machen es doch auch. Die Katalanen aus Barcelona tragen Quatar Airways auf ihrer Brust spazieren. Angesichts der traditionell unbefleckten Trikots der Katalanen und des damit verbundenen Klubmottos ein weitaus größerer Affront. Geht es dem Verein dadurch heute schlechter?

Teams wie der FC Bayern oder Barcelona sind zu so starken Marken geworden, dass sie sich nicht mehr für kleinere Interessengruppen innerhalb des Vereins oder ein negatives Medienecho interessieren müssen. Die schlechte Presse und ein paar sich abwendende Fans - ein Kollateralschaden. Die beliebtesten Fußballvereine sind markentechnisch in Sphären vorgestoßen, in denen Einzelentscheidungen nur noch marginal die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit beeinflussen.

Dabei fällt der FC Bayern ansonsten eher durch soziales Engagement und umsichtiges Handeln auf. Ein Benefizspiel hier, ein auf der Geschäftsstelle untergebrachter Ex-Profi dort. Der Unterschied zum Katar-Deal: Hier wären dem Klub Millionen Euro durch die Lappen gegangen.

Der FC Bayern ist ein ganz normales Unternehmen, in dem es neben dem sportlichen auch um den wirtschaftlichen Erfolg geht. Die Kritik war vorhersehbar, der Schaden für den FCB kalkulierbar, der wirtschaftliche Vorteil umso größer.  

Persönlich prangere ich an, dass ein Klub wie der FC Bayern, sich von einem Land, in dem Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung sind, vereinnahmen lässt. Wundern tut es mich dennoch nicht. Leider.

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