Ein Jahr im Kreis
Ich spiele Fußball.
In der letzten Liga.
Und schreibe darüber.
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Miro Klose zum Scrollen
Die lange Karriere des Miroslav Klose in der Nationalmannschaft.
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120minuten
Lange Fußballtexte wechselnder Autoren. Von und mit mir.
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Mittwoch, 9. März 2016

4 Jahre!

Vor fast genau 4 Jahren nahm dieses Blog hier seinen Anfang mit dem unvermeidlichen, bedeutungsschwangeren Hello-World-Artikel. Seitdem hat sich hier nicht ganz so viel getan, wie man es bei einem typischen Blog erwarten würden. Magere 100 Posts variierender Qualität sind hier bisher erschienen.

Das regelmäßige Schreiben liegt mir nicht im Blut, was natürlich auch daran liegt, dass sich dieses Blog nicht an einem Thema oder Verein abarbeitet. Es kommt aufs Blog, was mir interessant und relevant erscheint und wenn ausreichend Zeit ist, mal einen Gedanken gescheit zu Ende zu denken. Schwierig.

Es wird also wohl dabei bleiben, dass hier weder täglich, noch wöchentlich sondern eher im 3-Wochen-Turnus mal ein neuer Post das Licht der Welt erblickt.

Das Wichtigste an diesem Blog hier ist für mich nicht was es ist sondern was es ausgelöst hat. Ohne das ins Internetschreiben hätte ich wohl eine ganze Reihe von Leuten nicht kennengelernt und aus dem Schreiben hier haben sich eine ganze Reihe anderer Dinge ergeben, die ich nicht missen möchte.

Ich hoffe mal, dass zwischen all diesen anderen Aufgaben ausreichend Zeit bleibt, um endlich mal mein Jahr in der Kreisklasse zu Ende zu erzählen und den ein oder anderen Meinungsartikel rauszuhauen.

Und noch ein Ziel will ich mir setzen: vielleicht gelingt es mir ja, den hier meistgelesenen Artikel mit einem neuen Text leserzahlentechnisch von der Spitze abzulösen, denn ironischerweise ist der meistgelesene Post hier im Blog der einzige, der nichts mit Fußball zu tun hat.

Donnerstag, 3. März 2016

Die neue Sachlichkeit der Fußballsprache

Ein meinungsstarker Text im Kicker vom Montag hat eine Debatte entfacht (Text kostenpflichtig abrufbar bei Blendle). Autor Frank Lußem rechnet ab mit der Fachsprache die der heutige Fußball hervorgebracht hat, den Trainern und den Taktikanalysten insbesondere. Er empfindet die Sprache der sogenannten Konzepttrainer als Selbstzweck. Lußem seziert ein paar der Aussagen und kommt zu dem Schluss: das könnte man auch viel einfacher sagen.



Auf der Strecke bleibt seiner Meinung nach der Ottonormalverbraucher und der Fußball als Volkssport. Weil immer neue Begriffe Einzug halten, versteht der normale Fußballkonsument nicht mehr, wovon überhaupt die Rede ist.

Fakt ist: blumige Metaphern wie "der Pausentee" oder kriegerischen Handlungen entlehnte sprachliche Bilder wie "die Granate" werden immer seltener im Fußballsprech, geschweige denn, dass ein Trainer der Gegenwart diese Begriffe noch in den Mund nimmt.

Die benutzten Termini der Experten haben immer weniger mit der täglichen Umgangssprache gemein und mutieren zu einer eigenständigen wissenschaftlich angehauchten Fachsprache, die nicht mehr jedem zugänglich ist. Diese Entwicklung muss man natürlich nicht begrüßen. Und natürlich sollte man immer hinterfragen: Was wurde da jetzt gerade wirklich gesagt? Handelt es sich um hohle, zum wissenschaftlichen Diskurs aufgeblähte, Phrasen, die eher der Verwirrung beziehungsweise der Verschleierung von Missständen auf dem Platz dienen als der Aufklärung?

Sprache verändert sich auch immer, weil sich das verändert, was sie beschreibt


Andererseits, ich für meinen Teil begrüße die Entwicklung auch. Sprache verändert sich auch immer, weil sich das verändert, was sie beschreibt. Und dass sich der Fußball verändert, steht außer Frage. Es sagt ganz einfach niemand mehr Torsteher, weil der Mann zwischen den Pfosten inzwischen weit mehr tut, als einfach nur herumzustehen und auf einen Schuss zu warten, den es "zu entschärfen" gilt. Und wenn man es genau nimmt, ist der Begriff "Manndecker" inzwischen wirklich aus der Zeit gefallen. Man wird ihn noch hier und da hören in den nächsten Jahren, aber zweifelsohne beschreibt der Term nicht mehr den Kern dessen, was ein Verteidiger heute auf dem Platz tut.

Dass Begriffe und Redewendungen aussterben und neue aufpoppen ist für mich von daher ein positives Signal. Es tut sich was. Mir würde es zu denken geben, wenn Spieler, Trainer, Berichterstatter noch immer im gleichen Duktus wie vor 30 Jahren kommunizieren. Es liegt in der Natur der Sache, dass man Veränderungen kritisch beäugt. Aber würden wir immer so weiter über Fußball sprechen und schreiben wie bisher - wäre das nicht unfassbar langweilig?

Stilistisch und inhaltlich darf und muss man die neue Sachlichkeit der Fußballfachsprache natürlich hinterfragen. Das gilt insbesondere für das "Taktikdeutsch", welches Trainer und Spielanalysten eingeführt haben. Die Autoren von Taktikanalysen sind sich durchaus der Krux bewusst, dass ihre Formulierungen teils schwer verständlich für Außenstehende sind. Pauschal zu unterstellen, es handle sich nur um heiße Luft und elitäres Geplapper, ist meiner Meinung nach zu kurz gegriffen.

Der Sportjournalismus ist gefragt


Wer Taktikanalysen lesen möchte, der darf das tun oder bleiben lassen, wenn er dazu keinen Zugang findet.

Wenn Trainer oder Spieler in Rätseln sprechen, weil sie Begrifflichkeiten verwenden, die dem Außenstehenden unverständlich sind, kann man sie natürlich dafür anprangern und insistieren, sie mögen doch bitte so sprechen, dass es das Publikum versteht. Man könnte diese Kommunikation allerdings auch als das sehen, was sie ist: ein Experte äußert sich in seiner ihm eigenen Fachsprache zu seinem Fachgebiet. An dieser Stelle ist dann vielleicht der Sportjournalist am anderen Ende des Mikrofons gefragt. Als Bindeglied zwischen Fachmann und Laie könnte er dazu beitragen, dass wir alle verstehen, was Konzepttrainer XY da eigentlich meint. Das begreife ich als eine Aufgabe des Journalismus - Laien komplexe Sachverhalte nachvollziehbar wiedergeben.

Markige überschriftenreife O-Töne sind natürlich einfacher zu verarbeiten, gehören aber der Vergangenheit an. Natürlich wird man launige Gesprächspartner, die "mal einen raushauen", vermissen - das gilt sowohl für den Journalisten als auch den hiesigen Fußballkonsument. In Erinnerungen zu schwelgen und die "alte" vertraute Fußballsprache bewahren zu wollen, ist aber dennoch nicht die Lösung und wohl ein Kampf gegen Windmühlen.

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Mittwoch, 2. März 2016

Von Zipfelmützen und dem Insinternetschreiben - Punkt 4 wird dich zu Tränen rühren

Der Liebster-Award ist ein kleines Frage-Antwort-Spiel. Sebastian von Fußball in Sachsen und Fedor von Stellungsfehler.de haben mir jeweils den Staffelstab und ihren Fragenkatalog übergeben - daraus habe ich mir die Rosinen herausgepickt und präsentiere meine Antworten. 11 Fragen. 11 Antworten.

1. Was führte dazu, dass Du mit dem Bloggen anfingst?
Geschrieben habe ich eigentlich schon immer gern. Ich bin nicht der mitteilungsbewussteste Zeitgenosse, aber ich wusste - irgendwie reizt mich das Insinternetschreiben. Ein Ort zum Publizieren, eine Spielwiese, musste her. Da lag ein Blog auf der Hand.

2. Auf welche Wortneuschöpfungen der Fußballsprache könntest du verzichten?
Das wird ja gerade heiß diskutiert (siehe 11.) und eventuell finde ich Zeit, mich mit diesem Thema noch etwas umfassender zu beschäftigen. Generell kann ich an dieser Stelle schonmal sagen, dass ich ein ambivalentes Verhältnis zu sprachlichen Umwälzungen habe. Einerseits schreiben wir das Jahr 2016. Der Sport verändert sich stetig. Da ist es für mich logisch, dass sich auch die Begrifflichkeiten den Gegebenheiten anpassen. Andererseits, fühlt es sich mitunter befremdlich an, wenn immer technischere Termini Einzug halten.

3. Bundesliga auf Sky oder lieber das Kreisliga-Derby live vor der Haustür?
Da tendiere ich eher zu Letzterem. Ich bin nicht aktiv Fan einer bestimmten Bundesligamannschaft. Deshalb ist der Fußball der Bundesliga für mich lediglich - Unterhaltung. Mitunter hochspannende Unterhaltung. Ich kann mich dennoch eher mit dem Fußball der Kreisliga anfreunden. Einfach weil ich mich besser damit identifizieren kann. Die Unzulänglichkeiten der Spieler, die Glücksmomente, wenn mal etwas funktioniert hat, die nervenaufreibenden Momente - das sind alles Dinge, die in der Kreisliga sehr viel näher an meiner Lebenswirklichkeit dran sind.

4. Was war Dein erster Fußball-Fanartikel?
Puh, ich habe mir nicht viele Fanartikel gekauft - aus oben genannten Gründen. An was ich mich erinnern kann, ist eine unsagbar dämliche überlange Zipfelmütze, rot-weiß gestreift, in den Farben von Energie Cottbus. In unserem Vereinsheim hatte sich ein fliegender Händler mit allerlei Fandevotionalien breitgemacht. Da hieß es: schnell entscheiden. Denn so oft wurde ein Kind vom Dorf nicht mit so einem Überangebot an Merchandise konfrontiert. Wir hatten ja nichts! Cottbus war nur 60 Kilometer entfernt und damit im äußersten Zipfel Ostsachsens, wo ich aufwuchs, der nächstgelegene Profiverein (und nicht etwa Dynamo Dresden).

Mir war der Aufstieg von Energie in Liga 2 und die Teilnahme am DFB-Pokalfinale nicht verborgen geblieben und die Mannschaft von Ede Geyer wusste mich zu begeistern. Obwohl ich rückblickend betrachtet sagen muss, dass ich vom drittklassigen Fußball wohl eher wenig mitbekam. Wo war ich? Die Mütze! Bayern und Dortmund standen natürlich hoch im Kurs beim Fanartikelbasar. Ich dachte mir vermutlich so etwas wie "antizyklisch handeln" und legte mir die Mütze zu, die aus modischen Gründen dann eher nicht so oft den Weg auf meinen Kopf fand.

5. In dem Zusammenhang: Wer war auf den Postern an der Wand drauf?
Ich hatte tatsächlich ein paar Mannschaftsfotos von Energie in meinem Zimmer hängen und sammelte sogar für kurze Zeit Ausschnitte von Zeitungsartikeln. Wenn ich mich recht erinnere, muss das in der Zeit kurz nach dem Aufstieg in Liga 2 der Fall gewesen sein.

6. Wo stößt Du (außer in Blogs) auf lesenswerte Fußballtexte?
Hier habe ich drei eher weniger einfallsreiche Antworten parat.

  1. Ich vertraue den Empfehlungen meiner Twitter-Timeline und nutze ab und an Nuzzel, das mir die in meiner TL beliebtesten Beiträge präsentiert. 
  2. Die Link11 bei Fokus Fußball, an der ich hoffentlich bald wieder selbst mitwirken kann, ist ein Muss. Als Leser hilft mir die Presseschau, das Newsgedöns, das mich eher weniger interessiert, auszublenden und die längeren hintergründigeren Stücke zu finden. 
  3. Ich benutze seit vielen Jahren RSS-Reader, um bei ausgewählten Seiten keinen neuen Beitrag zu verpassen.

7. Hörst du Fußball-Podcasts, wenn ja welche?
Im Moment eher weniger. Nur der Rasenfunk, der die Spieltage hervorragend rund macht, ist in meiner aktuell genutzten Podcast-App abonniert. Collinas Erben habe ich eine zeit lang intensiv gehört. Wenn es um Podcasts geht, bin ich momentan aber nicht so für Sachthemen zu haben. Ein Grund mehr, den von mir heiß geliebten Flatterball zu vermissen.

8. Team Ronaldo oder Team Messi?
Die fußballerischen Qualitäten beider sind natürlich unbestritten, aber in Sachen Außendarstellung ist mir der ruhige Argentinier um einiges lieber als der extrovertierte Portugiese.

9. Worüber wolltest Du schon immer mal einen Blogbeitrag verfassen?
Dahingehend bin ich gerade vollkommen mit mir im Reinen. Das Thema Taktikanalysen schwirrte mir schon mehr als ein Jahr im Kopf herum. Ich habe lange überlegt, wie ich mich als Laie der Materie nähern kann. Ich wollte Reaktionen provozieren, unterhalten und dennoch sachlich bleiben. Ich denke, das ist mir dann letztendlich ganz gut gelungen - das lassen zumindest die Reaktionen vermuten.

10. Gibt es außer Fußball noch (eine) weitere Sportart(en), die Du intensiver verfolgst und wenn ja, was ist da der besondere Reiz?
In jungen Jahren konnte ich mich für allerlei Sportarten begeistern, aber um ehrlich zu sein, ist Fußball inzwischen die einzige, auf der ich dauerhaft hängengeblieben bin.

11. Jogi Löw ruft an und macht Dich für eine Partie zum Nationalspieler. Auf welcher Position würdest Du auflaufen?
Ich kann nur linker Außenverteidiger. Klingel einfach durch, falls Not am Mann ist, Jogi.

Was die Weitergabe des Staffelstabs angeht, muss ich sagen, dass sich schon alle Blogger, die ich auf meiner Liste hatte, an der Aktion teilgenommen haben - von daher lasse ich es hier nonchalant austrudeln. Das nächste Stöckchen kommt bestimmt.

Freitag, 29. Januar 2016

Wen wundert der Doha-Deal?

Die Bayern haben einen Sponsorendeal mit dem Emirat Katar eingetütet, genauer gesagt mit dem Internationalen Flughafen Doha. Katar, da schrillen natürlich die Alarmglocken: Menschenrechte und so, dem Sklaventum nicht unähnliche Arbeitsbedingungen.

Christian Spiller fasst in seinem Kommentar treffend zusammen:

"Sportlich Weltklasse, moralisch Kreisklasse."

Über eine Formulierung in seinem Text bin ich aber gestolpert:

"Es verwundert, dass Bayern sich auf diesen Deal einlässt, Empörung darüber war absehbar."

Die Empörung war absehbar, klar. Aber das dieser Deal ernsthaft jemanden verwundert? Ich denke, das ist eine Frage der Perspektive. 

Karl-Heinz Rummenigge begrüßt die Partnerschaft:

"...ein weiterer Schritt in unserer Internationalisierungsstrategie"

Natürlich tut er das. Und beim Stichwort Internationalisierungsstrategie denkt man auch gleich an die FCB-Enthusiasten in aller Welt - sie werden wenig Probleme mit dem Sponsoring haben und vermutlich werden auch die meisten Bayern-Afficionados hierzulande das Sponsoring in wenigen Wochen vergessen haben.

Verprellt hat der Klub die kritischen Fans. Die, die hinterfragen und im FC Bayern mehr sehen, als ein Unterhaltungsensemble auf dem grünen Rasen. In dieser Filter Bubble ist das Sponsoring das Letzte. Ein weiterer Tiefschlag nachdem die Bayern zum wiederholten Mal ihr Trainingslager in Katar verbrachten.  

Mich verwundert der Entschluss des Vereins zum Sponsoring nicht. Denn welche Bedeutung haben diese kritischen Stimmen? Das Stadion? Bekommt man auch ohne die Zweifler voll. Das Medienecho? Konzentriert sich in ein paar Tagen wieder auf das Sportliche.

Sollte der FC Bayern dennoch auf die Millionen aus dem Emirat verzichten, nur wegen ein paar kritischer Stimmen?

Alle anderen machen es doch auch. Die Katalanen aus Barcelona tragen Quatar Airways auf ihrer Brust spazieren. Angesichts der traditionell unbefleckten Trikots der Katalanen und des damit verbundenen Klubmottos ein weitaus größerer Affront. Geht es dem Verein dadurch heute schlechter?

Teams wie der FC Bayern oder Barcelona sind zu so starken Marken geworden, dass sie sich nicht mehr für kleinere Interessengruppen innerhalb des Vereins oder ein negatives Medienecho interessieren müssen. Die schlechte Presse und ein paar sich abwendende Fans - ein Kollateralschaden. Die beliebtesten Fußballvereine sind markentechnisch in Sphären vorgestoßen, in denen Einzelentscheidungen nur noch marginal die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit beeinflussen.

Dabei fällt der FC Bayern ansonsten eher durch soziales Engagement und umsichtiges Handeln auf. Ein Benefizspiel hier, ein auf der Geschäftsstelle untergebrachter Ex-Profi dort. Der Unterschied zum Katar-Deal: Hier wären dem Klub Millionen Euro durch die Lappen gegangen.

Der FC Bayern ist ein ganz normales Unternehmen, in dem es neben dem sportlichen auch um den wirtschaftlichen Erfolg geht. Die Kritik war vorhersehbar, der Schaden für den FCB kalkulierbar, der wirtschaftliche Vorteil umso größer.  

Persönlich prangere ich an, dass ein Klub wie der FC Bayern, sich von einem Land, in dem Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung sind, vereinnahmen lässt. Wundern tut es mich dennoch nicht. Leider.

Freitag, 8. Januar 2016

Transfergerüchte frei Haus




++Nochmal!++




Donnerstag, 7. Januar 2016

Kantersiegverknappung

Ich beginne mal mit ein paar Ergebnissen:
5:0
5:0
7:2
0:5
7:1
9:3
5:0
5:0
6:1
9:2
7:1
7:0
5:0
7:1

Das sind nicht die Ergebnisse des FC Bayern aus der aktuellen Saison. Es sind die höchsten Siege aus der Premierensaison der Bundesliga. 14 Mal lag die Tordifferenz in einem Spiel bei 5 oder mehr Toren. Kantersiege. In der abgelaufenen Saison gab es nur 5 Spiele, die in diese Sphären vorstießen (der FC Bayern war übrigens 3 Mal beteiligt). Man sieht, die Kantersiege machen sich rar. Das liegt natürlich an der größeren Leistungsdichte der Bundesliga von heute und die Weiterentwicklung der Spieltaktik trägt sicherlich auch dazu bei.

Der Vergleich der Premierensaison mit der Spielzeit 2014/2015 ist kein Muster ohne Wert. Dafür habe ich die Tordifferenzen aus allen Bundesligaspielzeiten verglichen und für jede Saison den Mittelwert berechnet - der zeigt, dass die Bundesliga in den letzten Jahren eher zu Siegen mit nur einem Tor Unterschied tendiert.

Auch die Streuung der Ergebnisse nimmt ab - das zeigt die Standardabweichung. Je niedriger, umso weniger die Abweichung vom Mittelwert.

In der Praxis heißt das, dass z.B. in der Saison 97/98 das durchschnittliche Ergebnis ein Sieg mit einem Tor Unterschied war (Mittelwert 1,26) und Siege mit mehr 2 Toren Unterschied (Standardabweichung 1,09) exotisch.



Woher ich die Zahlen habe? Der @schwarzundblau war so nett, Daten zur Bundesliga auf subdat.de in einfach zu verarbeitender Form zu veröffentlichen. Sowas gefällt mir und lädt zu Zahlenspielereien wie dieser ein. Danke dafür!

Disclaimer: Die Berechnungen und Erklärungen in diesem Post beruhen auf meinem gefährlichen Halbwissen.

Mittwoch, 11. November 2015

Altmeister - Ein Jahr im Kreis #13

Respekt vor dem Alter. Das ist eine wichtige Lektion, die einen der Fußball der Kreisklasse lehrt. Wie das sein kann?

Es nützt alle Athletik und Technik nichts, wenn man sie nicht effizient einsetzt. Natürlich lassen sich Bewegungsabläufe wie Ballan- und mitnahmen oder Schusstechnik erlernen und die Voraussetzungen für eine hervorragende Kondition gepaart mit ausreichend Kraft sind wohl nur in einem begrenzten Zeitraum (potentiell) vorhanden, der wohl gefühlt zwischen Mitte und Ende des 3. Lebensjahrzehnts des typischen Freizeitsportlers liegt. Erfahrung kann man dennoch nicht einfach so erlernen.

Im Spitzenfußball werden junge Spieler immer früher reif für die große Fußballbühne, sind mit 18 Jahren bereits hervorragend taktisch geschult und werden Stammspieler in den Teams, deren Spiele man Woche für Woche im Fernsehen verfolgen kann. Mit Ende der 20er beginnt der Stern vieler Profifußballer bereits wieder zu sinken. Die Belastungen eines Leistungssports, der mitunter im 3-Tages-Rhythmus Höchstleistungen abverlangt und in den letzten Jahren deutlich schneller geworden ist, hinterlassen ihre Spuren.

Dieses Verbrauchtsein sucht man im Amateurfußball vergebens. Hier gibt es ihn noch, den 2. oder 3. Frühling erfahrener Fußballer jenseits der 35 oder gar 40. Erfahrung wiegt hier so viel mehr als in der Bundesliga. Wer auf Bezirks- oder Verbandsebene sein fußballerisches Dasein fristete, der kann ein paar Klassen tiefer getrost noch 5-10 Jahre dranhängen. Wenn ich an meine taktische Ausbildung im Jugendbereich zurückdenke, ist das kein Pfund mit dem sich wuchern lässt. Da waren, trotz ansonsten relativ fortschrittlicher Trainingsformen, ein paar Nachmittage vor der Taktiktafel und ein paar einstudierte Spielzüge. Was ich über mannschaftstaktisches Verhalten gelernt habe, habe ich auf dem Platz gelernt. Auf die harte Tour. Ein Grund mehr, der Erfahrung so wichtig macht.

In den eigenen Reihen hatte auch mein Team von Zeit zu Zeit den einen oder anderen Altmeister. Da war Bernd, der 15 Jahre eine Abwehr auf Bezirksebene zusammenhielt, immer am Rande des Abstiegs, aber eben nie abgestiegen. Diese Erfahrungen ließen ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein entstehen. Zu Recht. Bernd kam immer pünktlich, auch wenn er bis kurz vor Anpfiff noch auf dem Bau schuftete. Trotz Kettenrauchens war er mit Mitte 40 noch fitter als ich. Er foulte höchst selten und ging auf dem Platz der gepflegten Konversation nach. Er konnte das Spiel lesen und das ließ er jeden wissen.

Ein nicht enden wollender Schwall an Erläuterungen, Befehlen und Interpretationen ergoß sich über das Spielfeld. Noch im Sprint gab er seinen Mitspielern Anweisungen und setzte seinen Gegenspieler darüber in Kenntnis, was er, also der Gegenspieler, als nächstes tun würde, und was er dagegen unternehmen würde. Bernd war ein Puppenspieler und die restlichen 21 Mann auf dem Platz seine Marionetten. So gern man sich darüber aufregen wollte, man konnte nicht. Bernd lag einfach zu oft richtig. Guter Mann.

Ein anderer "erfahrener Recke" war Silvio. Er stand uns aus beruflichen Gründen selten bis nie zur Verfügung, aber wenn er da war, wurde er bedingungslos aufgestellt. Im Sturm. Ein Mittvierziger. Er war nicht besonders groß und so erzeugte seine Erscheinung auf dem Platz zunächst wenig ehrfürchtige Reaktionen beim Gegner. Was würde der kleine, alte Mann schon ausrichten können. Silvio war auch nicht besonders schnell und seine Puste reichte kaum für 45 Minuten. Auch musste ihm der Ball stets in den Fuß gespielt werden. Laufduelle ging er, verständlicherweise, nur halbherzig an. Wenn man es genau nimmt, war seine beständige unhinterfragte Aufstellung eher eine Respektsbekundung ihm gegenüber. Silvio war dennoch eine Waffe. Er konnte schießen UND er war technisch versiert. Das bedeutet, Silvio war in der Lage, den Ball in der Bewegung und unter Druck anzunehmen, abzuschirmen und einen passablen Torschuss abzugeben. Silvio trat alle Ecken und Freistöße. Er konnte den Ball aus dem Stand ansatzlos gezielt aufs Tor schießen. Das mag sich profan anhören, ist aber eine Gabe, die man nicht oft vorfindet. Sicher, andere sind schneller, aber sie laufen zur falschen Zeit an den falschen Ort, schießen überhastet, sind unkonzentriert. Es ist ein Trauerspiel ein 18-jähriges Sturmtalent seine ersten Schritte im Männerbereich machen zu sehen. Man sieht die Geschwindigkeit, die Technik, die Athletik und fragt sich: warum macht er nichts daraus, wieso wirkt er wie ein Fremdkörper? Silvio hatte Routine und wusste, was zu tun war.

Ähnliches galt für Gerd, der noch ein paar Jahre älter als Silvio war. Noch mit Mitte 50 schnürte er die Fußballschuhe und agierte als Mittelstürmer. Bis zu seinem endgültigen Karriereende hatte es mehrere Rücktritte von Rücktritten gegeben. Die Fußballschuhe waren bereits in der heimischen Garage an die Wand genagelt, der Abschied begossen worden, als doch wieder ein Anruf kam: Wir brauchen dich! Und Gerd war nicht irgendein gealtertes Maskottchen, er war die erste Wahl, wenn es um die Aufstellung des Mittelstürmers ging. Seine fußballerischen Fähigkeiten rückwirkend zu beschreiben, fällt mir schwer. Ich kann mich nur erinnern, dass er immer sein Ding machte. Sein Tor schoss, wenn er den Ball in aussichtsreicher Position bekam - Gerd war ein Knipser. Er machte keine Übersteiger, er musste nicht sprinten. Er wusste, wo er zu stehen hatte, nahm den Ball mit und schoss gezielt in ein Eck. Gerd trat alle Elfmeter. Gerd versenkte alle Elfmeter.

Ein gutes Gefühl, ein paar solcher Fußballer im eigenen Team zu wissen. Ein schlechtes Gefühl, gegen sie antreten zu müssen. Natürlich gab es auch die Notnägel, die alten Fußballer, die vom Mittagstisch weg und auf den Platz geholt wurden. Die Kondition tendierte gegen null, die Bewegungsabläufe wirkten unrund, teilweise kam auch noch eine längst nicht mehr gängige Härte zum Einsatz, die die Altgedienten im fußballerischen Rentenalter nicht ablegen konnten. Diese Spieler waren es nicht, die mich Respekt vorm Alter auf dem Fußballplatz lehrten. Es waren auch nicht einzelne Routiniers, die mich zu dieser Einsicht brachten. Es war ein ganzes Team, pardon, alter Säcke, das mich Demut lehrte. Demut in Anbetracht meines jugendlichen Alters, meiner fehlenden Erfahrung und meiner beschränkten fußballerischen Fähigkeiten.

Symbolbild mit freundlicher Genehmigung von Sasa 1)
Dieses Team setzte sich aus Ü35-Spielern zusammen, die in Ermangelung einer ihrem Alter angemessenen oder ihnen gewachsenen Gegnern in ihrem Alter in unserer Liga antraten. Von außen betrachtet war es ein Klub alter Männer, die ihre besten Tage lange hinter sich hatten. Was sollten sie schon gegen eine demografisch ausgeglichene Mannschaft ausrichten können. Und überhaupt, nach 60 Minuten würde ihnen die Puste ausgehen. Bei der ersten Begegnung mit dieser Mannschaft überlegten die Jungspunde in unseren Reihen jedes Mal, welch einfach Ding es wäre, an den lahmen, unbeweglichen, leicht übergewichtigen Altherren vorbeizuschweben und ein paar Tore zu schießen. Jeder 18-jährige, der neu zu uns stieß und mit leuchtenden Augen die trägen alten Männer beim Aufwärmen beobachtete, musste die bittere Erfahrung machen, dass sich Vorstellung und Realität in keinster Weise deckten.  

Abgekochte, technisch beschlagene und ehrgeizige Ex-Bezirkliga-Spieler belehrten sie eines Besseren. Jedes einzelne Mal. Auf dem Papier sahen die Ansetzungen harmlos aus. Das Team firmierte als 3. oder 4. Vertretung der Herrenmannschaft. Hinterlistige Tarnung. Die Spiele glichen einer Demonstrationsveranstaltung: seht her, so wird Fußball gespielt. Jeder Pass fand den Weg zum Mitspieler, viel gelaufen mit Ball wurde eh nicht. Direktes Passspiel, Doppelpässe, kontrollierter Spielaufbau, taktische Disziplin, mit Bedacht vorgetragene Spielzüge. Das hört sich nach einer schönen Herausforderung im Ligatrott, einer anspruchsvollen Aufgabe, an. Es war der gottverdammte Mount Everest!

Kein Kraut war gegen diese Typen gewachsen. Hohe Bälle auf die Stürmer bolzen - mit der Erfahrung und dem Stellungsspiel mehrerer tausend Kopfballduelle wurde alles routiniert weggeköpft. Die Verteidigung aggressiv stören und Fehler erzwingen - die alten Herren lächelten müde über unsere Bemühungen und ließen das Bällchen laufen. Sich zurückziehen und die Angriffe der Grauen Panther abwarten - sie kombinierten sich schnell und geschmeidig durchs Mittelfeld, keine Chance ein Bein dazwischen zu stellen. Auch das Konditionsargument zog nicht: den alten Männern wird doch irgendwann einfach die Puste ausgehen? Falsch gedacht! Die durchtrainierten Sportsmänner verfügten über eine passable Ausdauer - nach 60 Minuten ausgepumpt waren stattdessen: wir. Das ewige Hinterherlaufen ließ die Beine schnell müde werden. Es gab keinen Plan, nicht mal einen hypothetischen, wie dieser Gegner zu bezwingen war.

So waren die Spiele meistens kein Vergnügen. Sie entbehrten jeglicher Spannung und es herrschte eine gewisse Apathie in unseren Reihen. Den letzten, vor dem Spiel zusammengekratzten, Mut nahm einem meist die Altherrenauswahl mit dem ersten Treffer. Danach ließ man nur noch laufen. Die Rentnertruppe dominierte das Geschehen auf dem Platz  nach Belieben. An die Wand gespielt von einem Haufen ergrauter, dickbäuchiger Onkeltypen. Eine Demütigung. Ehrgeiz war in einem solchen Spiel fehl am Platze. Versuch gar nicht erst dich anzustrengen. Du kannst noch so schnell bei und eng an deinem Gegenspieler sein - er findet den Weg an dir vorbei - eine Körpertäuschung, ein leichtes Antippen des Balles, ein zentimetergenaues Abspiel - alles genau so getaktet, dass du immer einen Schritt zu spät kommst. Es hatte keinen Sinn und es sah lächerlich aus, von einem Team mit einem Altersschnitt jenseits der 35 an die Wand gespielt zu werden.

Aber wie gesagt, diese Spiele lehrten mich, auf was es im Fußball außer Kraft und Ausdauer noch ankommt. Erfahrung und Technik in perfekter Symbiose konnte man mit Kampf und Schnelligkeit nicht aufholen. Für mich selbst wusste ich, dass ich nie in die erfahrungstechnischen Sphären dieser Typen vorstoßen würde. Ich würde einfach nur langsamer und behäbiger werden bei nur leicht verbesserten Erfahrungswerten. Ich würde kein “erfahrener Recke” werden. Ich würde später mal einer von diesen alternden Notnägeln sein, die man telefonisch 15 Minuten vor Abfahrt zum Auswärtsspiel beim Tabellenersten vom Mittagstisch weglotsen würde.

Auch in der Saison, um die es hier geht, hatten wir beide Spiele an die Oldies abgeschenkt. Sie durch aggressives Spiel zu reizen, weckte nur noch mehr Ehrgeiz und implizierte eine schmerzhaftere Niederlage. Wenn man ein solches Spiel wie einen Altherrenkick anging und dann 1:4 verlor, war das allemal ein besseres Gefühl, als sich die Seele aus dem Leib rennend, sechs Tore eingeschenkt zu bekommen.

Wie es aber immer so ist und was vor allem den Fußball so spannend macht: Der Reiz liegt nicht im Alltäglichen sondern im Außergewöhnlichen. Je öfter man das Gleiche auf dem Platz erlebt und sieht, desto exotischer und spannender sind die Momente, die vom Gewöhnlichen und der Norm abweichen. Das fängt bei einem Tor, einem schnöden Punktgewinn, an. Das Nonplusultra sind Außenseitersiege. In meinem begrenzten Kreisklassenfußbalkosmos war das Nonplusultra kein Sieg gegen Real Madrid sondern ein achtbares Ergebnis gegen die Altherren-Auswahl zu erzielen.

Es war in unserer legendären Aufstiegssaison, in der wir über einen Kader verfügten, der stets mit Spielern der 1. Mannschaft verstärkt wurde. Spiel um Spiel wurde gewonnen, teilweise in überlegener Manier. Sogar von mir selbst konnte ich damals behaupten, eine gute Runde gespielt zu haben - das muss das Selbstvertrauen oder “der Lauf” sein von dem die Küchenpsychologen im Doppelpass immer reden. Die Altmeister waren dennoch ein Prüfstein. Je mehr man sie herausforderte, desto mehr waren sie zu leisten im Stande. In der Regel spielten sie mit angezogener Handbremse - man will sich ja nicht verausgaben an seinem freien Nachmittag.

Wir verlangten ihnen in unserer Aufstiegssaison alles ab. Ich kann mich nicht an viele Siege und die dazugehörigen Spielverläufe lebhaft erinnern, aber dieses Spiel gehört definitiv dazu. Das vorentscheidende 3:1 war ein wunderschön vorgetragener Konter, den ich, kurz zuvor ausgewechselt, von draußen beobachtete. Ich verspüre selten bei einem Kreisklassenspiel ekstatische Freude oder verfalle gar in Siegestaumel. Aber dieses Tor, dieser Sieg gegen die alten Männer hatte einen besonderen Wert. Man merkte, sie hatten alles in die Waagschale geworfen und es hatte nicht gereicht. Wir hatten die Rentnertruppe besiegt. Die damit verbundene überschwängliche Freude war vor allem der Einmaligkeit des Ereignisses geschuldet.

Es sollte niemals danach wieder etwas gegen dieses Team zu holen geben. Bei jedem Aufeinandertreffen erhielt ich einen Auffrischungskurs in Sachen Respekt vor dem Alter. Die Niederlage in der hier beschriebenen Saison passte perfekt in eine Phase, die sich als Frühjahrsapathie umschreiben lässt: Ergebnisse sind egal, an der Tabellensituation ändert sich in den verbleibenden Spielen eh nur noch wenig. Die zum Leben erwachende Natur kontrastierend, befindet man sich in einem ignoranten Dämmerzustand, was den Ausgang der Partien betrifft. Nur noch die letzten paar Spiele über die Runden bekommen, denkt man sich.

Was einen motiviert und die Stimmung ein bisschen aufhellt, ist die Erinnerung an Spiele, die einen besonderen Ausgang nahmen:

“Weißt du noch, damals, als wir die alten Männer besiegt haben?”  



1) Sasa ist Groundhopper und stellt auf seinem Blog seine Bilder aus den Stadien Serbiens vor - die Veröffentlichung hier erfolgt mit seiner Genehmigung - vielen Dank!