Ein Jahr im Kreis
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120minuten
Lange Fußballtexte wechselnder Autoren. Von und mit mir.
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Sonntag, 21. Juni 2015

Aus dem Nichts

Es gibt einen Grund dafür, dass auf diesem Blog nicht mehr ganz so regelmäßig Posts erscheinen. Einen guten Grund. Vor etwa 1 Jahr tat ich mich zunächst mit Christoph, später auch mit Alex zusammen, um bei 120minuten.net regelmäßig lange Fußballtexte zu veröffentlichen.

Unser einziger Antrieb war und ist das Publizieren an sich. Wir wollten herausfinden, ob ein Projekt wie 120minuten auf ausreichend Interesse stößt. Ausreichend Interesse, um uns als Motivation zu dienen, weiterzumachen? Ausreichend Interesse von Autoren, die Texte beisteuern wollen ohne monetäre Gegenleistung? Nach einem Jahr kann ich beide Fragen bejahen. Wir haben bereits mit einem Dutzend Autoren zusammengearbeitet und planen schon die nächsten Kooperationen. Wir konnten mit einigen unserer Texte Themen ausführlich beleuchten, die sonst in dieser Form nicht erzählt worden wären. 

So sieht es aus, das Cover unseres
eBooks. Wir haben es
"Auf Ballhöhe" getauft.
Das Beste an 120minuten ist für mich persönlich, dass es ein Gemeinschaftsprojekt ist - erst die Zusammenarbeit macht aus den vielen Einzelteilen ein großes Ganzes. Und daraus haben wir ein eBook gemacht - alle Texte aus dem 1. Jahr 120minuten zum kostenlosen Herunterladen für den eBook-Reader (wir zählen inzwischen bereits über 200 Downloads!).

Wenn man das Büchlein durchblättert, wird einem bewusst, was wir alles in den letzten Monaten auf die Beine gestellt haben - das macht schon ein bisschen stolz. Vielen Dank an alle Autoren und alle Leser, die das möglich gemacht haben.

An dieser Stelle möchte ich mich auch nochmal bei all denen bedanken, die uns unproblematisch Bildmaterial zur Verfügung gestellt haben. Da ist z.B. Sasa, der auf seinem Blog Groundhopping in Serbia regelmäßig Fotos veröffentlicht. Oder Joseph, der die Stadien Englands bereist und darüber bloggt und twittert. Oder Sascha, der mir als Generalsekretär der CONIFA Bildmaterial aus Abchasien zur Verfügung gestellt hat und eine große Hilfe bei meinen Recherchen war. Vielen Dank!


Freitag, 5. Juni 2015

Die Sickergrube

Sepp Blatter hat seinen Rücktritt angekündigt. Er ist nicht zurückgetreten. Das ist ein feiner Unterschied, der erst im zweiten Moment bewusst wird. Ob sich dadurch an der Arbeit im Weltfußballverband etwas signifikant ändert, ist nicht abzusehen. Das unverständliche Wahlprozedere der Fifa, das jedem Verband, und sei er noch so klein und unbedeutend, die gleiche Relevanz beimisst wie Verbänden mit mehreren Millionen Mitgliedern, bleibt erstmal bestehen. Die Mini-Verbände in der Karibik und die chronisch klammen Verbände in Afrika waren es, die Blatter Stimme um Stimme sicherten. Bekehrt wurden sie mit den Millionen aus den diversen Fifa-Fördertöpfen, die wie ein warmer Geldregen noch auf dem letzten Pazifik-Atoll ein Pro-Blatter-Klima schafften. Früher gab es ja nichts.

Blatter hat es geschafft, den Altherrenklub Fifa in einen international agierenden Konzern zu transformieren, der mit seinem "Premiumprodukt" Fußball-WM Milliarden verdient, die auf die Mitgliedsverbände verteilt werden. Dass das Geld nicht selten versickert? Geschenkt, landet es doch schließlich in den Taschen der Leute, die Blatter wieder und wieder mit ihrer Stimme auf den Thron gehoben haben. Diese Transformation der Fifa und die verschiedenen Förderprogramme werden Blatter immer wieder als Verdienst angerechnet - allein, es ist eine Milchmädchenrechnung.

Sicher, ohne Blatters für den eigenen Machterhalt installiertes Zuwendungssystem gäbe es die finanzielle Unterstützung für die nationalen Verbände nicht. Integrale Bestandteile des Systems Blatter sind aber auch Missmanagement, Korruption und Vetternwirtschaft. Wer sich über die Zusammenhänge informieren möchte, dem sei Thomas Kistners Buch Fifa-Mafia empfohlen, welches viele der jetzt zur Debatte stehenden Missstände bereits vorwegnahm. Eine der Erkenntnisse, die man bei der Lektüre gewinnt, lautet: die Fifa arbeitet hochgradig ineffizient. Großzügige Gehälter, mysteriöse, nicht nachvollziehbare Ausgaben, schlecht ausgehandelte Sponsorenverträge, die alte Bekannte bevorzugen - das ist an der Tagesordnung und sorgt dafür, dass der Fifa viel Geld verloren geht.

Das erkennt, wer sich die Kausalkette WM 2022 ansieht: Die Fifa legt sich entgegen aller objektiven Argumente auf eine WM in Katar fest. Letztendlich muss die Schnapsidee einer Sommer-WM in der Wüste ad acta gelegt und eine Austragung im November und Dezember durchgedrückt werden. Was wiederum dazu führt, dass sowohl die europäischen Großklubs großzügiger für einen verschobenen Spielplan entschädigt werden müssen als auch die amerikanischen TV-Rechteinhaber, bei denen die Winter-WM mit den beliebten US-Sportarten kollidiert. Zur Beschwichtigung werden die Übertragungsrechte für kommende Turniere bereits jetzt zu Vorzugskonditionen verscherbelt und eine für die Fifa lukrative Ausschreibung ist nicht mehr möglich. Dem Fußballweltverband geht dadurch wiederum viel Geld verloren.

Die Vergabe von Übertragungsrechten ist die größte Einnahmequelle für Fußballverbände und seit Jahrzehnten verschenkt die Fifa wegen interner Kungelei vermutlich nicht unerhebliche Beträge. Das wird deutlich, wenn man die Entwicklung der Einnahmen aus Übertragungsrechten bei der Fifa betrachtet. Die Zahlen stammen aus den Financial Reports des Weltverbands. Für jeden WM-Zyklus, also beispielsweise die Jahre 2003-2006, werden in den Berichten die kumulierten Einnahmen aus Übertragungsrechten explizit für die WM-Turniere angegeben. Diese machen den Löwenanteil der Fifa-Einnahmen aus. Die Zahlen lesen sich zunächt imposant:
  • 1999-2002: 1,48 Mrd CHF
  • 2003-2006: 1,66 Mrd CHF
  • 2007-2010: 2,41 Mrd USD
  • 2011-2014: 2,43 Mrd USD
Zwischendrin wurde die Währung gewechselt, von Schweizer Franken zu US Dollar, das lässt die Steigerung von 2006 zu 2010 noch eindrucksvoller erscheinen. Nichtsdestotrotz: die Fifa konnte die Einnahmen aus Übertragungsrechten stetig steigern. Was jedoch auffällt: der geringe Anstieg zwischen 2010 und 2014. Rechnet man den Betrag in Euro (mit historischem Wechselkurs) um, sind die Einnahme 2014 sogar geringer, die Inflation mal außen vor gelassen. Als Grund dafür könnte man die für den europäischen Markt ungünstige Zeitverschiebung beim Turnier 2014 anführen, so haben zumindest hierzulande die ÖR begründet, dass sie die Rechte für Brasilien günstiger als für das vorhergehende Turnier erwerben konnten. Seit den Rechtevergaben zur WM 2010 verhandelt die Fifa direkt mit den Sendern. Zuvor übernahm diese Aufgabe die Infront-Agentur, die weltweit exklusiv die Rechte an den Turnieren 2002 und 2006 handeln durfte. Eine Goldgrube, der Blatters Neffe Philippe vorsteht. Zuvor war für diese lukrative Tätigkeit die zwielichtige und von der Fifa lange gedeckte ISL zuständig, aber das ist ein eigenes Kapitel.

Es verwundert, dass die Fifa auf dem boomenden Fußballmarkt nicht in der Lage war, die Einnahmen signifikant zu erhöhen. Um das zu verdeutlichen, habe ich die Einnahmensituation der Fifa, mit den Zahlen der Champions League und der englischen Premier League verglichen. Die Einnahmen aus Übertragungsrechten habe ich dafür jeweils entsprechend der Fifa-Zyklen aufsummiert. Die nackten Zahlen lassen sich natürlich nicht wirklich vergleichen, da die Frequenz und Anzahl der Spiele zu sehr variiert. Aber die Entwicklung lässt sich vergleichen. Und dabei wird die Ineffizienz der Fifa bei der Vermarktung ihres Goldesels sichtbar.



Die UEFA hatte einen Einnahmeneinbruch Anfang des Jahrtausends zu verzeichnen, der durch die Änderung des Modus (Abschaffung der 2. Gruppenphase) bedingt war. Noch im ausgehenden Jahrtausend hatte die Europäische Kommission die UEFA für ihre Praxis bei der Vergabe von Übertragungsrechten gerügt. Die Rechte wurden nämlich, ähnlich der Fifa, ursprünglich als ein riesiges Gesamtpaket über mehrere Jahre verkauft. Aus wettbewerbsrechtlicher Sicht kritisch. Die UEFA lenkte ein und änderte ihr Vorgehen. Über die Jahre erkennt man einen satten Anstieg der Einnahmen.

In noch stärkerem Maße gilt das für die britische Premier League, die nach den Rechteverhandlungen stets deutlich besser dotierte Verträge vorweisen konnte. So unglaublich die Summen aus England auch klingen mögen, sie scheinen der gestiegenen Nachfrage zu entsprechen. Die Fifa kann bei diesem Wachstum nicht mithalten und muss sich fragen, ob sie sich mit ihrer verfilzten Struktur nicht selbst im Weg steht. Die Antwort aus Zürich würde wohl "nein" lauten, denn schließlich reichen die Einnahmen, um den Personen am Hebel die Taschen zu füllen und nebenbei noch ein paar öffentlichkeitswirksame Förderprogramme zu unterhalten. Aber wer weiß, wie viel höhere Einnahmen man mit dem wichtigsten Sportereignis auf Erden einfahren könnte? Vermutlich genug, um nicht nur einen Bolzplatz sondern gleich eine ganze Multifunktionsarena mit angeschlossenem Nachwuchsleistungszentrum auf jedem Karibik-Eiland zu errichten. Die Fifa-Granden könnten wohl sogar noch mehr verdienen als bisher, so viel Geld könnte eine Fußball-WM abwerfen. Aber solange die mannigfaltigen internen Abhängigkeiten bestehen und der Fußballweltverband der Inbegriff der institutionalisierten Vetternwirtschaft bleibt, wird es dabei bleiben, dass die Fifa ihr wichtigstes Produkt unter Wert verkauft.



Die Herkunft der Daten
Fifa - Fifa Financial Reports
Uefa - Uefa Financial Reports, vor 03/04 sind die Daten ungenau - sie stammen aus einer Uefa-Grafik sowie von Schätzungen der Europäischen Kommission
Premier League - Guardian

Disclaimer
Die Daten habe ich nach bestem Wissen zusammengestellt - wer genauere Zahlen liefern kann, der kann sich gern an mich wenden. Die entsprechenden Beträge wurden unter Berücksichtigung der historischen Wechselkurse (bspw. Summe 2003-2006 mit Wechselkurs 2006) in Euro umgerechnet. Wer hier eine bessere Vorgehensweise parat hat - ich übernehme sie gern.






Sonntag, 10. Mai 2015

Große Geste - FC Bayern verzichtet auf die Meisterschale

Ein Jahr ohne mindestens zwei Titel ist möglich, aber sinnlos. Zumindest beim FC Bayern München. Die aktuelle Spielzeit ist eine waschechte Seuchensaison: DFB-Pokal-(Rutsch)Aus im Halbfinale, minimale Chancen auf das Erreichen des Champions-League-Finals, aktuell 4 (in Worten vier) Pflichtspielniederlagen in Folge. Darüber täuscht auch der Gewinn des prestigeträchtigen Telekom-Cups im Juli 2014 und die verhältnismäßig spät errungene Meisterschaft nicht hinweg.

In München möchte man die aktuelle Spielzeit schon jetzt abhaken und den Meistertitel am liebsten gar nicht haben. Was nutzt er auch ohne einen 2. Pokal. Aus Insiderkreisen ist zu erfahren, dass man sich deshalb zu einer großen Geste entschlossen hat: Auf der Meisterschale soll für diese Saison nicht etwa "FC Bayern München" eingraviert werden. Der Verein möchte den vakanten Platz auf der Schale für einen wohltätigen Zweck versteigern. Dies sei ein ausdrücklicher Wunsch der Spieler, so heißt aus FCB-Kreisen.

2015 ohne die Bayern - die Meisterschale / von Florian K.
via Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 
In Kürze startet eine offizielle Auktion, an der sich jedermann beteiligen kann. Hiesige Sportwettenanbieter und ein Münchner Saunaparadies haben bereits Interesse bekundet. Die Einnahmen der Auktion sollen der wohltätigen Vereinigung "Ehrgeiz ohne Grenzen" zu Gute kommen, die sich um die Nöte gefallener Topmanager kümmert.

Von der DFL war zu erfahren, dass man den Bayern ihren Wunsch nicht abschlagen könne in Anbetracht des prekären Saisonverlaufs. Auch Teile der Fanbasis des FC Bayern begrüßen den Schritt, so sprach ein Sprecher des Fanclubs "Nur das Tripel zählt" von einer "Aktion mit Signalwirkung die dem Anspruchsdenken des FCB entspricht".

Dieser Beitrag ist Satire

Donnerstag, 26. März 2015

Ohne Pause - Ein Jahr im Kreis #11

Die Lethargie der Winterpause - inneres Verrosten durchs Nichtstun. Nichtstunkönnen. Verlust sämtlicher Kondition und der Kontrolle über den eigenen Körper. Doch nicht in dieser Saison, nicht in diesem Jahr. Diesmal bin ich ehrgeizig, diesmal greife ich an und komme stärker wieder als in der ausgehenden Hinrunde. Ich werde fit sein, ich werde da sein, die anderen werden hecheln, ich die Außenlinie hoch- und runterlaufen. Tschakka!

So oder so ähnlich muss ich gedacht oder gefühlt haben, in dem Moment, in dem ich beschloss, mitten im Januar wieder ins Training an der frischen Luft einzusteigen. Mehr Wille als Mensch. Anders kann ich mir das nicht erklären. Wo war die mich sonst in den Wintermonaten auszeichnende Faulheit geblieben? Der Gedanke, dass ein Vergangenheits-Endreas der Kälte trotzend zum Training mitten in der kalten Jahreszeit aufkreuzte, befremdet mich. Ich schaue von außen auf mein jüngeres Ich und schüttele den Kopf: Wozu dieser nutzlose Ehrgeiz? Willst du wegen dem Kreisklassenfußball an einer Lungenentzündung sterben oder im Angesicht des Winters reinholdmessneresk deine Gliedmaßen erfrieren lassen? Damals wollte ich das so. Heute erscheint es mir wie die Besteigung des K2 ohne Sauerstoffmaske.

Mein Enthusiasmus wurde zum Glück ein bisschen ausgebremst. Zeittechnisch konnte ich immer nur den Trainingstermin wahrnehmen, an dem ausschließlich "meine" 4. Mannschaft trainierte - keine Trainingsgruppe 1 und 2 mehr, es würde wohl eher auf Trainingsgruppe 3 hinauslaufen. Und so ging ich auf gut Glück zu meiner ersten Trainingseinheit im neuen Jahr - wer wohl aufkreuzen würde? Nicht viele. Nur wenige Irre kamen auf die Idee, mitten im Januar an ihrer Rückrundenform arbeiten zu wollen. Ich kann nicht mehr genau sagen, ob wir zu viert oder zu fünft waren, aber so konnte man kein ordentliches Training machen.

Was nun? Zwei Stunden im Kreis laufen, sich stupide den Ball zuschieben oder auf die Taktiktafel starren. Das Alles, und vor allem der Punkt mit der Taktiktafel, wären hochnotpeinlicher Murks geworden. Es gibt sicherlich tolle motivierende Trainingsformen, mit denen man sich 2 Stunden in der Winterkälte beschäftigen kann - allein uns stand kein Konzepttrainer, besser gesagt überhaupt kein Trainer zur Seite. Zumindest kein Trainer wie man ihn sich im engeren Sinne vorstellen würde. Die 4. Mannschaft war eine sich selbst verwaltende chaotische und inhomogene Masse Mensch, die ab und an elf Mann für die Spiele zusammenbekam. Trainiert wurde autark mit spontan frei erfundenen oder abgekupferten Übungen, die manchmal sogar in Selbstkasteiung übergingen, wenn man im Kollektiv entschied, die Hälfte der Übungszeit auch Flanken mit links zu üben. Kurz gesagt: Nie im Leben hätten wir zu fünft ordentlich trainiert.

Aber da war ja noch jemand, der zur gleichen Zeit trainierte - das Frauen-Team. Komischerweise standen die Frauen selbst im Januar in Mannschaftsstärke zum Training bereit - inklusive zackigem Trainerstab. Man könnte, man sollte doch...ich war erstaunt, wie schnell und einstimmig die Entscheidung getroffen wurde sich der Trainingsgruppe anzuschließen. Auf dem Dorf, wo ich das Fußballspielen erlernt habe, hätte man diesen Lösungsvorschlag maximal im Scherz ausgesprochen, um sogleich ein paar stereotype Herrenwitze hinterherzuschieben. Hier war man glücklicherweise offener und sofort bereit, sich den Trainingsplatz mit dem anderen Geschlecht zu teilen.

Trotzdem keimte in mir etwas Unsicherheit auf. Waren die Mitspieler wirklich so offen, wie sie taten? War ich so offen, wie ich dachte, dass ich war? Oder steckte in mir ein kleiner Chauvi, ein Macho oder noch schlimmer...ein Mario Barth, der durch das Training zum Leben erweckt werden und seine hässliche Fratze zeigen würde?

Ich werde jetzt an dieser Stelle nicht lange Spannung aufbauen und beantworte die gerade rhetorisch gestellte Frage direkt mal mit: Nein! In dieser und den folgenden Wochen wurde es zur Gewohnheit, sich der Frauen-Trainingsgruppe anzuschließen, da wir weiterhin nur eine Handvoll Spieler waren. In der gesamten Zeit gab es nicht einen dämlichen Spruch oder Gehabe - weder auf dem Platz noch in der Kabine. Es ist natürlich skuril hier einen Zustand, der eigentlich Normalität sein sollte, als bemerkenswerte Begebenheit zu beschreiben. Aber ich war mir eben nicht ganz sicher, ob dieser Normalzustand erreicht werden würde.

Hatte ich eigentlich schon das zackige Trainerteam der Frauen erwähnt? Kondition schien der zentrale Gedanke der Trainingsphilosophie zu sein. Die Gegner sollten anscheinend in Grund und Boden gelaufen werden: Ausdauerläufe, Aufwärmläufe, Steigerungsläufe, Sprints und Intervallläufe (eine Mischung aus Ausdauerläufen und Sprints) waren fest im Trainingsplan verankert, sehr fest. 

Kondition, Puste für die Rückrunde - ich freute mich auf die Spiele im Frühjahr, aber noch mehr freute ich mich auf das Ende der Intervallläufe, wenn ich mich mal wieder keuchend, fast kriechend über den Platz schleppte, bis zum nächsten Sprint.



Freitag, 20. März 2015

Il Fenômeno auf Dreck - Ein Jahr im Kreis #10


Im Juli 2013 stellte ich fest:

Inzwischen, auch wenn einige Zeit ins Land gegangen ist, konnte ich meine Aussage widerlegen. Es ist mir gelungen, meine kleine Serie über eine Saison in der Kreisklasse weiterzuspinnen, langsam zwar, aber immerhin. Steter Tropfen. Für kommende Woche kündige ich hiermit mal vollmundig eine Fortsetzung an.

Bis dahin kann der geneigte Leser HIER die bisher auf diesem Blog erschienenen neun Texte durchstöbern. Text Nummer zehn erschien bei 120minuten, wo sich, wenn ich das richtig sehe, noch nicht einmal einhundert Augenpaare daran satt gesehen haben. Deshalb empfehle ich in Anbetracht der hier angekündigten Fortsetzung kommende Woche unbedingt die Lektüre von Teil 10 bei 120minuten:

Il Fenômeno auf Dreck

Eiseskälte, Aussätzige im Wald und ein Comeback nach Verletzung. Selbst ein Kellerduell in der Kreisklasse hält eine ganze Reihe von Geschichten bereit, die es wert sind, erzählt zu werden.



Montag, 16. März 2015

Minenfeld

Am Anfang meiner Recherche standen viele Fragezeichen - wer ist wer, was ist was?

Alles in Abchasien und Südossetien hat mindestens drei Namen - einen georgischen, einen russischen und einen abchasischen/ossetischen. Wie ich in meinem aktuellen Text einen Ort, einen Fluss, einen Fußballverein nenne, ist also schon fast ein politisches Statement. Nenne ich die größte Stadt Abchasiens "Suchumi" ist das der georgische Name und ich schlage die Stadt damit in gewisser Weise Georgien zu, was dem westeuropäischen Sprachgebrauch und auch der landläufigen Haltung, dass die Region, ihre Unabhängigkeit nicht anerkennend, Teil Georgiens ist, entspricht. Georgische Namen erkennt man in der Regel am "i" am Ende - Fans des SC Freiburg wissen, wovon ich rede.

Wenn man sich dann mit den Fußballklubs der Region befasst, kommt erstmal weitere Verwirrung auf - viele Klubs gibt es mehrmals - als Verein in der Region selbst und als Exilklub in Georgien. Viel Raum also für Verwirrung und Fehler gepaart mit einer dünnen Informationslage - kann das gut gehen?

Kurz nach der Veröffentlichung des Textes bekam ich postwendend Anmerkungen von meinem Interviewpartner aus Abchasien - ich hatte ihn mit einem Namensvetter verwechselt und ihm so einen Regierungsposten angedichtet, ich wusste außerdem nicht, dass der langjährige Präsident des wichtigsten Fußballklubs nicht mehr dessen Präsident war, ich war ebenfalls nicht korrekt über den Status des NATO-Beitritts Georgiens informiert und mein Größenvergleich Abchasiens mit Schleswig-Holstein würde Abchasien kleiner machen, als es ist.

Was mir darüber hinaus Sascha, ein Kenner der Region, mitteilte: meine Wortwahl bezüglich der "abgeriegelten" Grenze zu Russland war ebenfalls unpassend, da Russland zwar mit einer Schließung der Grenzen während der Winterspiele in Sotschi drohte, diese aber nicht umsetzte. Und die korrekten Bezeichnungen für alle Orte, Klubs und Flüsse habe ich wohl auch nicht durchgehend benutzt. Ein Minenfeld.

Aber das hat auch in gewisser Weise den Reiz des Themas ausgemacht. Inzwischen habe ich den Text entsprechend aktualisiert (Abchasien ist immer noch "etwas mehr als halb so groß wie Schleswig-Holstein"). Ich denke, auch wenn im Detail noch der ein oder andere Fehler steckt - der Text gibt einen Einblick in die Situation und den Fußball in der Region und wahrt dabei Objektivität. Deshalb - würde mich freuen, wenn ihr bei 120minuten vorbeischaut und reinlest:

bei 120minuten lesen: Im Niemandsland




Sonntag, 7. Dezember 2014

Verein ohne Namen

Update, 8.12.2014, 12:30 Uhr: Beim kommenden Europa League Spiel gegen Kiew und vorerst bis 15. Dezember darf Steaua wieder Steaua heißen und in der Winterpause eine endgültige Einigung zu den Namensrechten aushandeln:





Ich schiele ja immer so ein bisschen herüber auf den rumänischen Fußball, der viele Geschichten zu erzählen hat, denen es selten an Kuriosität mangelt und hinter denen oft halbseidene Machenschaften vermutet werden. So auch bei einer Gerichtsentscheidung vom Mittwoch.

Wie wäre es, wenn der FC Bayern München sich von einem Tag auf den anderen nicht mehr FC Bayern nennen dürfte, weil der Freistaat Bayern etwas gegen die Benutzung seines Namens durch ein Unternehmen hat? So ähnlich aber mit jeder Menge Irrungen und Wirrungen ergeht es dem erfolgreichsten Klub Rumäniens Steaua Bukarest gerade. Der darf nämlich seinen Markennamen Steaua bis auf Weiteres nicht mehr nutzen.

Hintergrund ist ein Streit mit dem gleichnamigen Armeesportverein aus dem der heutige Fußballklub hervorging. Zu Zeiten Ceaușescus war Steaua der Verein der Armee und profitierte von vielen einflussreichen Verbindungen, die die Nähe zu den bewaffneten Kräften mit sich brachte.

1996 sicherte sich der Armeesportklub die Namensrechte an "Steaua Bukarest". Im Jahr 1998 wurde die prestigeträchtige Fußballabteilung vom Verein gelöst und nach und nach von Investoren übernommen. George "Gigi" Becali übernahm sehr wahrscheinlich um 2003 herum den Verein, in dem er mehr als 50 % des Vereins erwarb und geriert sich seitdem als Sprachrohr Steauas (auch wenn er derzeit keine offizielle Position bekleidet), bestimmt die Trainer und trifft auch mal Entscheidungen der Kategorie "wir verpflichten ab sofort keine ausländischen Spieler mehr".

George Becali
Gigi Becali - By Vlad Hogea at ro.wikipedia
(cropped frop ro:File:Iasi01.jpg)
[Public domain], via Wikimedia Commons
Becali ist eine umstrittene öffentliche Person. Derzeit verbüßt er eine Haftstrafe, aufgrund von kriminellen Machenschaften beim Verkauf von Land Ende der 90er-Jahre. Vertreter des rumänischen Verteidigungsministeriums, dem der Armeesportklub unterstand, waren ebenfalls verwickelt.

Dieser Filz soll es Becali ermöglicht haben, 2004, die Marke "Steaua Bukarest" für seinen Verein eintragen zu lassen - trotz der bestehenden Eintragung. Somit konnte Becalis Verein das bekannte Logo, die Farben und den Namen für seine Zwecke nutzen, obwohl der Armeesportklub sich die Marke bereits 1998 hatte schützen lassen. Das Verteidigungsministerium tolerierte diese Vorgehensweise.

Ab 2011 versuchte der Armeesportklub dann gegen die Nutzung vorzugehen. Mehrmals scheiterte man vor Gericht und klagte sich durch die Instanzen. 2013 nutzte der Armeesportklub den Rechtsstreit um die Rechtmäßigkeit des Markenschutzes von 2004 und holte sich die Rechte an seinem Namen zurück. Das höchste rumänische Gericht entschied am 3. Dezember 2014, dass die Namensrechte beim Armeesportklub und nicht bei Gigi Becalis Fußballverein liegen und somit Name, Logo und Farben nicht mehr weiterbenutzt werden können. Revision ausgeschlossen. Möchte man also beim erfolgreichsten Verein Rumäniens weiter unter dem bekannten Namen auflaufen, muss man sich auf Lizenzgebühren für die Nutzung der Marke einigen, die man sich vor 10 Jahren einfach angeeignet hatte.

Im aktuellen Spielbetrieb sorgt das natürlich für allerhand Absurditäten. U. a. Emanuel Roşu war beim sonntäglichen Heimspiel des Vereins ohne Namen und hielt via Twitter auf dem Laufenden: